Grau, Genial geritten, Gaisbeuren! So wars in Oberschwaben am 8. November. Wieder einmal lud Familie Hertkorn zur Schleppjagd in ihren Heimatort Gaisbeuren in Oberschwaben. Bereits zum 5.Mal haben die Hertkörner alle Hebel in Bewegung gesetzt um das Sportevent auch in diesem Jahr wieder durchführen zu können. Auch hier galt es im Vorfeld wieder einiges Organisationsgeschick aufzubringen. Doch sie haben es geschaft! Und wie sie es geschaft haben- Zur Curée meinte Uwe Hochbrückner an sein Jagdfeld gerichtet: „Auf Neudeutsch sagt man, es war geil!“

 

Und das will was heißen, da für den trockenen Unterfranken bereits ein „basst scho“ großes Lob bedeutet. Jetzt aber erst einmal alles der Reihe nach. 

Am frühen Samstagmorgen huschten hier und dort einzelne Personen aus der Hertkörnschen Familie rund um die alte Schmiede. Die Kappen tief ins Gesicht gezogen, fast ein bisschen Wortkarg und man möchte meinen auch ein bisschen gezeichnet vom Vorabend im Hotel Adler. Denn einige Jagdgäste und Bläser der Les Amis des trompes waren bereits Freitag angereist und das Wochenende wurde im Hotel Adler eröffnet. 

In der Ferne die Allgäuer Alpen mit ihren bereits mit dem ersten Schnee bestäubten Bergspitzen, ja das zu sehen hätten wir so gerne gewünscht, aber der Nebel hing schwer und dicht über uns. Aber das tat der Stimmung keinen Abbruch. Der Zusammenhalt in der Hertkornfamilie ist immens und wir spüren das jedes Jahr. Alle Brüder helfen mit deren Familien zusammen, um immer diese Schleppjagd besonders werden zu lassen. In diesem Jahr schenkte Andreas Hertkorn seinem Neffen Christian Hertkorn die Jagdherrschaft. In den Begrüßungsreden der beiden war dann zu spüren wie herzlich und innig die Verbindung innerhalb der Familie ist und irgendwie schwappte dieses Gefühl auf die ganze Jagdgesellschaft über. Beseelt gingen alle zum Satteln und es wurde durch die Les Amis des Trompes zum Aufsitzen unter den alten Kastanien auf der Hertkörn`schen Koppel geblasen. 

Nach einer kurzen Begrüßung der Meute zogen die knapp 40 Jagdreiter hinaus auf die sportliche Strecke in Richtung Aulendorf. Im Nu war die Jagdgesellschaft im Nebel verschwunden. Gut überlegt wurde die „erste Schleppe“ zum Aufwärmen von Pferden, Hunden und Reitern im Appell abgetrabt. Nachdem wir Aulendorf passiert hatten, ging es ans „Eingemachte“.  Die Schleppe wurde vom Jagdherren höchstpersönlich und Christine Wägelein (FM) gelegt. Kaum, dass die Hunde von Master Uwe Hochbrückner und seiner Equipage (Franz Rettenmaier, Anina Stosch und Dr. Armin Kirchdorfer) mit einem lauten „Gute Jagd“ angelegt waren, verschwanden die immens schnellen Beagles schon im Nebel. Das Adrenalin schoss und es hieß „einfach dranbleiben“. Die ersten der vielen Sprünge wurden genommen und schon ging es an einem kleinen Gehölz bergab. Die Hunde bauten ihren Vorsprung immer mehr aus und so orientierten wir uns immer am letzen Hund den wir schemenhaft im Nebel erkennen konnten. Dazwischen waren immer wieder die Signale der Les Amis zu hören. Es war einzigartig! Wahrscheinlich standen sie nur wenige Meter von uns weg, aber sehen konnten wir sie nicht. Andreas Hertkorn, der jedes Jahr auch Jagden in Irland reitet, hat sich diese zum Vorbild genommen und das war auch an diesem wunderbaren Jagdtag wieder deutlich zu spüren. Phänomenale Streckenauswahl! Chapeau!

Bevor sich das Jagdfeld auf der Reitanlage von Ralf Köberle zur kurzen Mittagsrast einfand, hatte sich Andreas für seine Jagdgäste noch etwas Besonderes einfallen lassen. Nach der Passage des Dürrlebachs positionierte er sich mit seinem Jagdfeld auf halber Höhe des Berges hinauf zur Reitanlage, um von dort die Arbeit der Hunde und der Equipage beobachten zu können. Gewagt, denn das Jagdfeld ritt sehr breit auf seinen Aussichtspunkt hinauf und kreuzte teilweise die bereits gelegte Schleppe. Bekanntlich jagt die Frankenmeute auf Trittsiegel und so war es nicht verwunderlich, dass die Meute erst einmal der Großen Fährte folgte, dann aber durch das Rufhorn des Master wieder zurück, zu der ruhig im Tal stehenden Equipage gerufen werden konnte, um von dort auf die eigentliche Fährte gebracht werden zu können. Für den 85-jährigen Benno Fischer, Urgestein und Ehrenpikör der Frankenmeute, ein wahrer Jagdmoment. „Des war phantastische Meutearbeit!“, so Benno Fischer. 

Nach der Rast waren es nur noch drei Schleppen zu Reiten. Die Hunde stellten auch an diesem Jagdtag wieder ihre immense Qualität unter Beweis! Top! Auch Pferde und Reiter waren auf der Strecke gefordert und gutes Reiten war Pflicht. Es war einfach traumhaft!

 

Im Anschluss an die Schleppjagd fanden sich die Jagdgesellschaft und die Bläser wieder im Hotel Adler zum Jagdessen ein und es wurde zu Recht dieser einzigartige Jagdtag bei Gesang und Freude bis weit in die Nacht hinein gefeiert! 

Bevor wir uns jedoch an dieser Stelle verabschieden, möchten wir uns ganz herzlich bei Klaus Namer, Timo Haas und Sonja Stark, unseren Fotografen des Tages bedanken. Dichter Nebel ist äußerst schwer zu fotografieren und ihr habt uns mit eueren phantastischen, stimmungvollen Bildern diesen mystischen Tag unvergesslich werden lassen. Danke natürlich auch an die ganze Familie Hertkorn- ihr seid spitze!

Foto: Klaus Namer, Timo Haas, Sonja Stark