Schleppjagd Schillingsfürst

Einmal im Leben eine Jagdherrschaft übernehmen. Diesen aufkeimenden Wunsch erfüllte sich unsere diesjährige Jagdherrin Christine Wägelein trefflich mit der Jährung ihres 40. Geburtstages und des Ursprungs ihrer Jagdreiterei – an der diesjährigen Schillingsfürster Schleppjagd. 

Die traditionelle Schleppjagd auf Schloss Schillingsfürst prägte die Jagdherrin bedeutend in ihrer Jagdreiterkarriere, wie sie uns bei ihrer emotionalen Ansprache in der herzlich dekorierten Albert-Zietz-Halle teilhaben ließ. Hier in Schillingsfürst flackerte bereits als Kind die Leidenschaft für diese sportliche und traditionsreiche Art mit Hund und Pferd die Natur zu erleben auf, die sie dann als Jugendliche das erste Mal aktiv selbst, mit einem Schulpferd, reiten durfte. Ab diesem Zeitpunkt brannte es in ihr und es verging keine Schleppjagd in Schillingsfürst ohne ihr aktives Mitwirken. 

Dieses zeitintensive Hobby so zu leben, und dabei sind es natürlich nicht nur die Jagdtermine, sondern auch das große drumherum, geht natürlich nicht ohne eine Familie, die „still und leise“ im Hintergrund steht und doch tatkräftig unterstützt. Christine weiß diese Unterstützung sehr zu schätzen und ist sehr dankbar für diesen Rückhalt. Im Besonderen dankte sie ihrem Mann Martin, der sie viele Sonntage zu Trainings oder Veranstaltungen ziehen lässt, sich um die Kinder kümmert und sie handwerklich und tatkräftig bei den Pferden unterstützt. Seit einigen Jahren nun auch bei der Organisation und Durchführung des „Sprünge auf- und abbauens“ für die Schillingsfürster Schleppjagd und dabei mit seinem Fuhrpark zur Verfügung steht – „ohne dich wäre das alles nicht möglich!“ 

Einen weiteren herzlichen Dank schickte Christine auch noch an ihre Mama Sonja Trumpp, die die wunderschöne Dekoration der Halle übernommen und wieder ein herrlich leckeres Jagdessen zubereitet hat. Genauso dankte sie allen weiteren Helfern und den Landwirten. „Ohne Euch alle könnten wir diese Veranstaltung nicht schon so viele Jahre durchziehen“.

Heute sollte ein „besonderer“ Tag werden. Die gewohnten Abläufe und die bewährte Strecke mit den altbekannten Jagdreiterfreunden aber irgendwie immer mit diesem „besonderem“ Gefühl, wie uns die Jagdherrin am Ende des Tages wissen lies. Aber jetzt erst einmal von vorne: 

Bereits der Ritt vom Anhängerparkplatz hinauf über die gepflasterten Straßen vorbei an den wuchtigen Linden in Richtung des Barockschlosses lässt die Jagdreiter ein Highlight erleben um dann über die Steinerne Brücke mit freiem Blick über die Stadt schweifend, durch das prächtige eiserne Tor in den von Zuschauern gesäumten Schlosshof einzureiten. Dieses ehrfürchtige, adrenalingefüllte „besondere“ Gefühl getragen von den Signalen der Parforcehörner der Jagdhornbläsergruppe Grenzenlos lassen das Herz bis an die Kehle klopfen.

Der erste Bürgermeister Michael Trzybinski begrüßte die Jagdgesellschaft mit einer kleinen Ansprache und überbrachte Grüße des Hausherrn Fürst Constantin zu Hohenlohe-Schillingsfürst und übergab dann das Wort an Pfarrer Bek-Baier. Die Segnung von Mensch und Tier rahmte er gekonnt in eine kleine, „besonders“ passende Predigt ein „Das Leben ist wie eine Schleppjagd, wir alle wollen die richtige Fährte und damit auch die richtigen Begleiter finden“.

Die Strecke führte vom höchsten Punkt der Frankenhöhe durch den Schlosswald hinab in südliche Richtung um Schillingsfürst. Die ersten beiden Schleppen verlaufen auf Wiesenwegen am Connemaragestüt Thiergartenhof vorbei, den „Sauerhut-Berg“ hinauf, um dann am Waldrand entlang in den „besonderen“ Gänsehaut-Moment zu kommen, das Geläut der Hunde vorneweg zu hören, gemischt mit dem Schnauben der galoppierenden Pferde und den kreuzenden Jagdsignalen der Bläser, die sie sich aufgeteilt in kleinen Gruppen an verschiedenen Standpunkten zukommen liesen.


Hier ist „besonders“ zu erwähnen, dass der Bruder der Jagdherrin, Stephan Trumpp hervorragende Arbeit geleistet und die Pläne seiner Schwester bestens umgesetzt hat. Er wurde zum ersten Mal als Fotografen- und Bläserfahrer engagiert und hat die Feuertaufe mit Bravour bestanden. „Es war der Wahnsinn wie er gefahren ist und wir konnten auch an Stellen sein, an denen wir vorher noch nie waren“ um es in den Worten unserer Fotografin Doris Frank-Schneider zu sagen.


Das durch das natürliche Geläuf bereits anspruchsvolle Gelände führte die Jagdreiter mit 3 weiteren Schleppen über Wiesenwege einmündend in weitläufige landwirtschaftliche Wiesenflächen. Im Galopp an der Ebertsmühle vorbei, durch einen alten Obstbaumbestand hinauf in den Kellerbergwald. Dort war „besonders“ schnelles reiterliches Handeln und Denken gefragt, bei den Richtungswechseln in Balance zu bleiben, um danach in den Genuss der langgezogenen Waldallee mit herrlich federndem Waldboden zu kommen. 

Nach einer Schrittpause und Wasserabkühlung der Hunde waren alle bereit die letzte Schleppe vor der Rast, oberhalb der Gemeinde Dombühl, anzulegen. Für die Zuschauer, die die Jagd begleiten, ein „besonderer“ Genuss mit dem phänomenalem Rundumblick, um dann akustisch wieder an das Jagdgeschehen gefesselt zu werden. Beginnend mit den Jagdsignalen der Bläser, die über dem Tal „grenzenlos“ schwebend zu scheinen, die beiden Schleppenleger im Tal und kurz darauf das Hundegeläut der Meute und den Hufschlag der nachfolgenden Pferde zuerst zu hören und dann zu sichten. 

Nach einer kurzen Erfrischung führten die beiden Schleppenleger, Christine Wägelein und ihre Reitbeteiligung Samy Reu, dass Jagdfeld auf die nächste Schleppe, die zum herrlichen langem galoppieren einlädt. Beginnend Richtung Kloster Sulz um dann in einem weiten Bogen entlang der Sulzach nach Ziegelhaus zu wenden und auf einer Anhöhe am Waldrand zu verschwinden. Herrlich wie das Jagdfeld hier zuerst die Arbeit des Schleppe legens beobachten konnte bevor der Master und seine Piköre die eifrigen, energiegeladenen Beagles auf die Strecke führten und diese dann pfeilschnell der gelegten Spur folgten. 

Nach zwei weiteren abwechslungsreichen Runs und die letzte Anhöhe hinauf zum Halali erfreute sich die Beaglemeute ihrem wohlverdientem Curèe und die Reiter über Bruch- und Knopfverteilung. 

Wir danken der Jagdherrin Christine Wägelein für diesen „besonderen“ Tag in Schillingsfürst. 

Text: Frankenmeute

Fotos: Doris Frank-Schneider