Am 1. November laden traditionell die Reiterlichen Jagdhornbläser Künzelsau- Hofrathsmühle zur Schleppjagd nach Friedrichsruhe. Bereits zum 42. Mal wurde in diesem Jahr die Schleppjagd im Salltal durchgeführt. Wie auch in den letzen Jahren haben auch heuer wieder Irmgard und Hubert Sanwald die Jagdherrschaft übernommen.
„Anfang der 70ziger Jahr bin ich dort mit der Cappenberg Meute geritten- einfach herrlich“ so Sabine Düring aus Poing auf unserem Content der diesjährigen Schleppjagd in den Sozialen Medien. Anfang der 70ziger waren wir, als euere Schreiberlinge, noch nicht einmal geboren. Wow, was für ein Traditionsevent. Seit vielen, vielen Jahren wird dieses Eventjuwel im Hohenloher Land vom Badischen Schleppjagdverein Hardtmeute e.V. bejagt und wir durften in diesem Jahr bereits zum dritten Mal unsere Beagles zusammen mit deren französischen Laufhunden, der Rasse Grand Anglo Francais präsentieren.
Zum Stelldichein trafen auf dem Parkplatz des Golfplatzes Rund 60 Jagdreiter und Jagdreiterinnen ein, während die Veranstalter bange in den spätherbstlichen, grauen Himmel über dem wunderschönen Wellness Resort Wald- und Jagdschlosshotel Friedrichsruhe blickten, das nebenbei erwähnt mit seinen über 60 Zimmern und Suiten, zu den schönsten Hideaways Deutschlands zählt. Das Wetter hielt und es versprach ein perfekter Jagdtag irischer Manier zu werden, nur eben ohne Regen.
Graf Kraft von Hohenlohe-Neuenstein ließ bereits 1612 auf dem Gelände des Jagdschlosses ein umzäuntes Jagdgehege mit Jagd- bzw. Lusthaus anlegen. Im Dreißigjährigen Krieg wurde die Anlage zerstört, um danach nach und nach wieder aufgebaut zu werden und diente dann der gräflichen Pferdezucht. Erst 1712- 1717 entstand das Jagdschloss in seiner heutigen Form. Somit ist dieser Ort doch mehr als gemacht für diese Traditionsschleppjagd im Hohenloher Land. Zum Stelldichein zu Pferd positionierten sich Jagdfeld vor dem eindrucksvollem Portal des Jagdschlosses Friedrichsruhe, nicht ohne ein kleines Fünkchen Stolz in der Brust, teil der Geschichte dieses Ortes sein zu dürfen. Die Hunde der beiden Meuten wurden schließlich auf dem Schlossplatz unter den Augen einer übermäßigen Schar von Zuschauern zusammengeführt. Bei einer Mehrmeutenjagd ist dies für den passionierten Jagdreiter der erste eindrucksvolle Moment des Tages. Eindrucksvoll war es in diesem Fall für unsere Hunde allemal, denn wenige Minuten vorher waren unsere Beagles noch super gelaunt mit ihrem Master Uwe Hochbrückner und seinen Pikören Christine Wägelein, Anina Stosch und Dr. Armin Kirchdorfer vor dem Haupteingang des Hotels gestanden, so waren sie nun ob der vielen, vielen Zuschauer und der Großen Franzosen, die mit einem tiefen Bellen auf sie zugaloppierten, mächtig eingeschüchtert. Nachdem der erste Kontakt der so unterschiedlichen Hunderassen aufgenommen war, führten die Master der beiden Meuten Andrea Wiehen, mit ihren Pikören Maxi Borst, Thomas Kessel, Dr. Jürgen Schmidt und Sabine Lothschütz und der Master Uwe Hochbrückner das gemischten Pack durch den Schlosspark hinaus auf die erste der insgesamt neun Schleppen. Die Promenade durch die Parkanlage war auch hier von zahlreichen Zuschauern gesäumt und da am Wegesrand stand ein Herr barfuß im weißen Bademantel auf dem gepflegten Rasen des Hotels. Ein Schmunzeln lag ihm im Gesicht- das gibt’s nur in Friedrichsruhe!
Aber nicht nur das! Die Schleppjagd in Friedrichsruhe ist über die Ländergrenzen hinweg bekannt und berühmt für seine einzigartigen Schleppen im Salltal. Neben zahlreichen Sprüngen, die es zu überwinden gilt, sind es hauptsächlich die naturbelassenen Wasserdurchritte, die den Reiz und den Charakter dieser Schleppjagd bestimmen. Phantastisch! Auch in diesem Jahr habe ich nach der dritten Wasserpassage aufgehört mitzuzählen, wie oft wir die Sall durchritten haben. Die Gischt des Wassers vermengt mit den platschen der Hufeisen auf den abgeschliffenen Steinen, die in der Sall seit Jahrzehnten, wenn nicht Jahrhunderten liegen, ist einzigartig. Für die Hunde beider Meuten bedeuten diese Wasserpassagen eine besondere Aufgabe. Denn beide Meuten werden nur auf Trittsiegel geführt. D.h. dass die Hunde im Vollspeed lediglich die Bodenverletzungen und Minigeruchspartikel der Schleppe legenden Pferde interpretieren und somit die „Verfolgung“ aufnehmen. Wir werden es nicht müde, dieses immer und immer wieder zu erklären, denn das Jagdreiten, hält uns Menschen dazu an, nicht nur den Galopp auf dem Pferd zu genießen sondern vor allem die Leistung unserer Hunde zu beobachten und wert zu schätzen. Denn diese Leistung ist schon außerordentlich!
Die Zeit und vor allem die Schleppen verflogen im Nu und so erreichte Meute und sein Jagdfeld den Hallaliplatz. Noch einmal wurden die Hunde im Galoppapell in Richtung der Zuschauer geführt und das Jagdfeld galoppiert rund um das Hallalifeuer, um schließlich während des Curées die Brüche aus der Jagd der Jagdherrschaft zu erhalten. Ein wahrlich eindrucksvoller und wunderschöner Tag, den wir bei und mit euch feiern durften. Unser Dank gilt, allen voran, den Reiterlichen Jagdhornbläsern Künzelsau- Hofrathsmühle, Familie Sanwald und vor allem Andrea Wiehen, ihrer Meute und ihrer Equipage für diesen besonderes schönen Tag.
Foto: Raphael Schieber